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Das Land der Kutten

Das Land der Kutten  ( von Heinz Albrecht )

Im Nordosten und Norden von Pless (645m) und Stoffelskuppe (620m), im Süden und Südwesten vom Urnshäuser Graben und Horn (578m) begrenzt, liegen eingebettet in einer etwa 500 m starken Buntsandsteinscholle in den Gemarkungen  Rossdorf  und Urnshausen/Bernshausen 4 Erdfalltrichter auf einer Fläche von 25 –30 qkm sichelförmig angeordnet. Es ist das „Land der Kutten" und bildet den nordöstlichen Abschluß des Biosphärenreservates Rhön. 
Weitere Gemarkungspunkte sind Eichberg (Osten), Hoher Rain (Stoffelsberg), Gänsegehege, Winterwand und Sommerwand, Himmelsleiter (Nordwesten) und Mittelberg (420 m). Bis auf den östlich gelegenen Birkensee sind die Trichter mit Süßwasser gefüllt, geliefert von Quellen und Hangsickerwasser aus der näheren Umgebung und erreichen immerhin Tiefen zwischen 11 und 52 m. Wenn von diesen Kutten die Rede ist, denken die meisten von uns spontan an die Rossdorfer Kutte, die Bernshäuser Kutte und den Schönsee. Eine vierte  ehemalige Kutte gerät dabei ins Abseits und in Vergessenheit, obwohl sie die gleiche Entstehungsgeschichte  hat, sich uns heute aber nicht mehr als „Kutte" präsentiert, aus erdgeschichtlicher und geobotanischer Sicht eine eminente Bedeutung erlangt, der Birkensee, aber dazu später mehr.
Wo kommt überhaupt die Bezeichnung „Kutte" her? Eine erste Antwort geben mittelalterliche Überlieferungen und „Geschichten aus dem Tullifeld".
Als Mönche und Nonnen von ihren Kräutergängen auf dem Heimweg waren und die Erdfallseen  tangierten, spiegelte sich ihre Kleidung beim Sonnenuntergang im Wasser, der Begriff „Kutte" für einen See soll so entstanden sein, da unsere Rhön und ihr Vorland nicht gerade üppig mit Stillgewässern ausgestattet ist.

Angesichts der Länderzuständigkeit im Naturschutz in Deutschland gibt es einen partiellen Verzug bei der Umsetzung von Schutzprojekten für Gewässer- und Feuchtgebiete, so dass oftmals Konflikte die Folge sind.

Für die Entstehung der Erdfallseen bis zu ihrem heutigen Erscheinungsbild, den Kutten, sind  Zweifelsohne eine Reihe  von Voraussetzungen und natürlichen Prozessen verantwortlich:

1.Geologische Prozesse
Sedimentation(Salzablagerung), Gebirgsbildung, fließendes Wasser, Materialtransport(Erdrutsche) und Uferdynamik

2.Atmosphärische Prozesse
Sonneneinstrahlung, Wind, Mikroklima, Schadstoffverfrachtung aus der Luft, Niederschlagsbildung

3.Hydrologische Prozesse
Grundwasserbildung, Quellbereiche, Niederschläge, Abfluß, Überflutung, Sedimentbildung

4. Biotische Prozesse
Primärproduktion (Photosynthese), Stoff – und Energiekreislauf zwischen Produzenten und Konsumenten, jahreszeitliche Vegetationsentwicklung, jahreszeitliche Tierwanderungen (Vogelzug), langzeitige Vegetationsentwicklung ( Sukzession), Einwirkung von Tieren auf
den Wasserhaushalt (Nitratbildung), Moor - und Torfbildung

Roßdorfer Kutte
Bernshäuser Kutte
Schönsee
Für Wassertiefen und Größen der vier Kutten sind folgende Angaben relevant:

Die Bernshäuser Kutte ist der tiefste Einfallsee Südthüringens und der Rhön (52 m) Sie erreicht im Uferbereich einen Durchmesser von 300 m  und bedeckt eine Fläche von 13 ha. Bei einer ersten Vermessung Mitte des 19.Jahrhunderts wurde eine Wassertiefe von 78 m angegeben. 
Der Schönsee bedeckt eine Fläche von 2 ha , hat einen Durchmesser von ca. 180 m  und ist 24 m tief. 
Für die Kleinste, die Rossdorfer Kutte,  werden 1 ha Fläche  und ca. 100 m Durchmesser sowie 11 m Tiefe angegeben. 
Der Birkensee nimmt eine Fläche von 1,8 ha ein und erreicht einen Durchmesser von ca. 130 m.

Auch Pleistozäne und Holozäne haben im Land der Kutten ihre Spuren hinterlassen (Wechsel von Kalt- und Warmzeiten).
Pleistozän   200000 Jahre nach dem Spättertiär
Holozän    15000  Jahre vor Chr. Kaltzeit

Die nacheiszeitliche Klima-, Landschafts- und Vegetationsentwicklung ist in ihren vielschichtigen Prozessen und Phasen bekannt, das gilt auch für die Rhön. Kleinräumige Klimaschwankungen bleiben aber für die Biotopausstattung und das Umfeld der vier Gewässer von großer Bedeutung.
Nur selten steigen die Wassertemperaturen an der Oberfläche im Sommer über 20°C.
Am Grunde (unter 10m) verharren die Temperaturen ganzjährlich bei 4°C.(Kaltluftseen)
Die Bernshäuser Kutte weist durch das Fehlen der Zirkulation in verschiedenen Tiefen - Schichten eine limnische Besonderheit auf. (meromiktischer See)

Was die derzeitigen botanische und faunistische Ausstattung der Erdfalltrichter angeht, müssen vier Bereiche berücksichtigt werden:
1.Wasserkörper(Moorkörper)
2.Uferzonen
3.Hanglagen
4.Erdfalloberkanten (Trichterrand)

Warum sind Ende der 50 - er bis Anfang der 60- er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zahlreiche Pflanzen und Tiere  aus dem Land der Kutten verschwunden und bis heute nicht wieder aufgetreten?

Sicher hat die Umgestaltung der Landwirtschaft, sowie die Einführung der industriemäßigen Produktion in diesem Erwerbszweig eine entscheidende Rolle gespielt. Aber nur hier den schwarzen Peter zu suchen, wäre falsch!